Gelungene Integration

Das Tor zum Leben

Le Levant

In der Fremde neu zu starten, ist nicht leicht. Alaa Mohamad aus Syrien ist es mit Hilfe in Hamburg gelungen. Eigentlich wollte Alaa Mohamad sein Bistro „Le Levant“ im hübschen Hamburger Stadtteil Eppendorf nach dem Mittagstisch bis zum Abend schließen. Doch die Gäste fühlen sich so wohl, sie können sich nicht trennen. „Bitte noch ein Glas Rosé“, ruft eine Stammkundin. Ein anderer Gast gerät über die Porzellanschalen mit verschiedenen orientalischen Vorspeisen in Verzückung, über die Karotten mit Orangenblütenwasser, die Linsen mit Granatapfelkernen oder das Baba Ganoush genannte geräucherte Auberginenmousse. Alaa nimmt lächelnd die Bestellungen und das Lob entgegen.

Alaa Mohamad stammt aus Syrien und musste seine Heimat 2015 verlassen, nachdem ihm im Krieg die Einberufung zum Militärdienst drohte. „Ich wuchs in der Hafenstadt Latakia auf“, erzählt er. „Deshalb wollte ich in Deutschland am liebsten in die Nähe des Meeres.“ Sein älterer Bruder, der im „Le Levant“ in der Küche arbeitet, war damals bereits in der Hansestadt. 

Vom Traum zum gelebten Erfolg

Das Bistro mit den weiß eingedeckten Tischen und den waldgrün gestrichenen Wänden, von denen sich die messingfarbenen, arabischen Laternen edel abheben, ist ein lang gehegter Traum der Brüder. Sie eröffneten es im Frühjahr 2022, und dass es kurze Zeit später so floriert, ist keine Selbstverständlichkeit – zumal es sich in direkter Nachbarschaft zu prominenten Adressen wie Cornelia Polettos Restaurant befindet. „Ich hatte zwei Modegeschäfte in Latakia und bin einfach ein guter Verkäufer“, sagt Alaa Mohamad.

Doch sein Erfolg fern der Heimat gründet auf mehr als einem Verkaufstalent. Kurz nach seiner Ankunft in Hamburg nahm Alaa Mohamad an einer Maßnahme des Jobcenters für Geflüchtete teil, die von der KOM gemeinnützigen Gesellschaft für berufliche Kompetenzentwicklung ausgerichtet wurde. Er besuchte einen Deutschkurs und eine berufliche Orientierung, die unter anderem ein Bewerbungstraining umfasste. Über eine Mitarbeiterin fand er eine Wohnung in Othmarschen. Jürgen Roßnagel, Geschäftsführer der KOM: „Alaa wollte immer unabhängig sein, und mit welcher Power er sich für seinen Traum eingesetzt hat, beeindruckt mich“, so Roßnagel. 

Alaa Mohamad ist tatsächlich unermüdlich. Er jobbte in Restaurants, fuhr Lieferungen für Amazon aus, und als er über Ebay Kleinanzeigen zufällig von dem leerstehenden Laden in Eppendorf erfuhr, musste er nicht lange überlegen. Mit Hilfe seines Ersparten mietete er die Räume für sein Lokal. Ein hohes Risiko – aber auch eine große Chance. Was er in fünf Jahren machen möchte, wenn alles gut läuft? „Am liebsten meiner Mutter, die noch in Latakia lebt, das Restaurant zeigen“, sagt er.

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