KreaStart

Der kreative Zugang zu sich selbst

Für gesellschaftliche Teilhabe mit beruflicher Perspektive: KreaStart baut auf ästhetische Bildungsprozesse, in denen sich Menschen mit psychischen Belastungen selbst begegnen.

Der kleine, bunte Innenhof hebt sich deutlich ab vom Grau der Hamburger Messehallen und des Fleischgroßmarkts: aus Paletten wurden Hochbeete mit Sitzgelegenheiten gebaut, die Wände mit Graffiti und Malereien verschönert. Jennifer Zaborski und Mads Rohde warten schon, ihr Kollege Joey Blümel ist digital zugeschaltet. Sie leiten gemeinsam mit ihrer Kollegin Nina Demandt den Betrieb von KreaStart. Hier, In den alten Räumen der bekannten Werbeagentur Jung von Matt, ermöglichen sie Menschen mit psychischen Belastungen, sich selbst über den eigenen Ausdruck zu begegnen. Das Team aus Schauspieler:innen, Coaches und Musiker:innen öffnet für die Teilnehmenden unterschiedliche Räume, damit diese ihre Potenziale entdecken und so Selbstvertrauen gewinnen können – eine wesentliche Grundlage für die berufliche Orientierung.

 

Kreativität als Schlüssel für Veränderungen

Im Juni 2022 waren 72.685 Menschen in Hamburg arbeitslos gemeldet. Mehr als 24.000 von ihnen sind sogenannte Langzeitarbeitslose, die bereits über ein Jahr nicht beschäftigt sind. „Die Teilnehmenden haben alle extrem unterschiedliche Backgrounds“, sagt Jennifer Zaborski. Mithilfe von KreaStart sollen die Teilnehmenden wieder ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft finden. 

Und wie gewinnt man erfolgsentscheidende Lebenskompetenzen zurück? „Wenn jemand einfach mal Raum und Zeit bekommt, sich neu zu entdecken, dieses innere Lodern spüren kann und wieder begeistert von etwas ist, geschehen Wunder“, beginnt Joey Blümel. „Jede Ausdrucksform, die unsere Sinne anspricht, bringt uns unmittelbar in Kontakt mit uns selbst.“ Beim Rundgang ist spürbar, was Jennifer, Mads und Joey beschreiben. Im Atelier lassen sich die Teilnehmenden nicht stören, so sehr sind sie bei sich. Mads und Jennifer deuten auf Kunstwerke, die im Rahmen von KreaStart entstanden sind und in Projekten wie der Millerntor Gallery veröffentlicht werden. Es gibt eine Holzwerkstatt, einen Ruheraum mit Yogamatten und Kissen, in einem Tonstudio wird musiziert. Ob Tanz, Gärtnern, Schauspielerei oder Gesang – die vielen Räume und Coaches sind dazu da, die kreative Energie zu katalysieren. 

Ein Jahr dem Ich gewidmet

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, den das Jobcenter für KreaStart vergibt, umfasst 52 Wochen. Da ist Arne, der bereits seit über einem Jahr am Programm teilnimmt. Er erzählt, dass er vor KreaStart eine sehr „depressive Phase“ hatte. Mehr möchte er über seine Vergangenheit nicht sagen: „Ich bin im Hier und Jetzt. Was war, kann ich nicht mehr beeinflussen.“ Die ersten Wochen im Karolinenviertel seien herausfordernd gewesen. Die Menschlichkeit und Herzlichkeit, die ihm begegnete, kannte er nicht aus seinem alten Leben. „Ich musste erst lernen, dass es hier kein richtig oder falsch gibt und ich mich einfach ausprobieren kann.“ 

So hat Arne entdeckt, wie er seine Gedanken und Gefühle in Musiktexten ausdrücken kann. In einem eigenen Song hat er seine Zeit bei KreaStart festgehalten und damit wieder etwas „geschaffen“ und geschafft. Der Abschied beschäftigt ihn, deshalb sei er glücklich, dass er dank der Zusammenarbeit zwischen KreaStart und dem Jobcenter Trainings zur Berufsorientierung machen und sich mithilfe von Bewerbungscoaches auf die Zeit nach KreaStart vorbereiten kann.

Joey, Mads, Jennifer und das gesamte KreaStart-Team wissen, dass ihr Projekt den Freiraum bietet, den manche Menschen brauchen, um sich ihres Lebens neu anzunehmen. An einer Wand haben Absolvent:innen ihre Leitbilder für die Zeit danach festgehalten. „Die Angst vor Neuem überwinde ich durch Achtsamkeit mir selbst und anderen gegenüber“, „Mein Tempo, nicht das Tempo der anderen“. Und: „Manche suchen Gründe, andere finden Möglichkeiten“. Denkanstöße, die haften bleiben. 

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